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Neue Karte: Schlenkerla

Eingetragen am 2009-07-21 15:07 von Thorsten Sommer unter #galerie.

Beim Stöbern im Archiv habe ich noch eine Karte gefunden, die u. a. Gerhard gefallen könnte bzw. zu der ihm bestimmt etwas einfällt: Die Karte des Bamberger Schlenkerla aus den 1960er Jahren. – Für mich besonders interessant die einfache und übersichtliche Gestaltung auf der einen und die doch sehr offensichtlichen Korrekturen auf der anderen Seite.

 

Ein Kommentar:

Erstaunlich ist vor allem, daß das Speiseangebot das halbe Jahrhundert im Wesentlichen überdauert hat. In der Nachbarschaft meiner eigenen Gaststätte in Bamberg wurde z.B. in den letzten zwei Jahrzehnten aus einem Griechen ein Thairestaurant und seit kurzem ein italienisches Restaurant. Das Schlenkerla ist hingegen ein Fels in der Brandung zeitgeistiger Beliebigkeit.

Es gibt gewisse sprachliche Anpassungen, so wird aus "Schweinskopf, gesulzt" "Hausgemachte Schweinskopfsülze mit Bratkartoffeln". Den aktuellen Renner "Bamberger Zwiebel in Rauchbiersoße mit Kartoffelbrei" gab es damals - wie es aussieht - noch nicht, zumindest nicht auf der Standardkarte. Und einige Gerichte wurden - vielleicht hat man sich dies in den modernen Brauereigaststätten abgeschaut - "bieriger", also mit Bier oder Bierzutaten zubereitet oder auch nur mit Bier "gebrandet", etwa die Bierhaxe oder Bamberger Zwiebel in Rauchbiersoße mit Kartoffelbrei" oder die "Bierbrauervesper (fränkischer Brotzeitteller)".

Die aktuelle Speisekarte ist stärker "regionalisiert". Man verzichtet auf Speisen bzw. die Angabe anderer Städtenamen wie "Wiener Rostbraten" oder "Wiener Goulasch". Und man regionalisiert die Speisen, zumindest sprachlich. Aus "Bratwürste mit Kraut" sind "Bamberger Bratwürste mit Sauerkraut und Brot". Statt "Mainzer Käse" gibt es heutzutage "Ziebeles Käse" (eine fränkische Bezeichnung für angemachten Quark - Speisequark, Sahne, Zwiebeln, Schnittlauch, Muskat, Salz & Pfeffer). Das "Schlenkerla" von heute ist weniger ein Ort, in dem Einheimischen Speisen aus anderen Städten angedient wird, als ein Ort, in dem Touristen (aber auch Einheimischen, die wieder regionale Küche wollen) die einheimischen Speisen dargereicht werden.

Nur wenige Speisen orientieren sich an neuzeitlichen Gästeerwartungen, so der "Große Salatteller". Mit Salat hat man damals höchstens die Kaninchen gefüttert, damit sie schön fett werden.

Dass man gedruckte Speisekarten handschriftlich oder maschinenschriftlich ergänzt hat (etwa die Preise nicht mitgedruckt hat und Platz gelassen hat für wechselnde Angebote) war damals Stand der Technik. Geräte zum Selbstdrucken gab es noch nicht bzw. sie waren unerschwinglich. Schreibmaschinen waren das übliche Gerät vor Ort und Büromitarbeiter, die tippten, billig. Derartige Speisekarten findet man aber auch heute noch bevorzugt in kleineren Landgaststätten.

Gerhard Schoolmann, 2009-07-22 14:37

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