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Vom Ende der Innenstädte

Eingetragen am 2012-07-15 12:09 von Thorsten Sommer unter #andererseits.

Vor fünf Jahren ging es in Wolfsburg, Magdeburg und dann Braunschweig los: Die ECE-Center kamen. Und mit ihnen der Tod der bis dahin vielleicht nicht wirtschaftlich, aber zumindest menschlich florierenden Innenstädte. Der Kampf um diese Innenstädte, wenn es denn noch welche gibt, wird nicht auf den Straßen, sondern in den den Rathäusern geführt. Aber die Gegner sind ungleich vorbereitet. Auf der einen Seite klamme Gemeinden und Kommunen, auf der anderen Seite extrem gut vorbereitete und vernetzte Wirtschaftsprofis. Das Ergebnis ist meist absehbar. ECE gewinnt, die Innenstädte verlieren. Jetzt geht es wohl um Bochum und die taz informiert endlich einmal auf drei kompletten Seiten etwas detaillierter über die Hintergründe:

Alexander Otto ist für viele ein Feindbild. Er baut Shoppingcenter in Innenstädte. Diese Center ziehen Einkäuferinnen an, sie ziehen diese Einkäufer aber auch aus den Fußgängerzonen ab. Die Fußgängerzonen veröden dadurch, sagen die Kritiker. Ein-Euro-Shops und Sexshops rücken an die Stelle von Elektromärkten oder Kleiderläden. In einigen Städten wehren sich Bürgerinitiativen gegen ECE-Center. Aber Alexander Ottos Konzern baut weiter.

[ via: taz ]

Wie immer möge sich jeder selbst ein Bild machen. Meine Erfahrung speziell in den oben genannten Städten zeigt aber: Mit jedem ECE stirbt eine Innenstadt, zumindest in Städten mit weniger als einer halben Million Einwohner.

Und sollte unser aller Einkaufsverhalten noch mehr in Richtung e-commerce gehen und daher immer weniger Fachgeschäfte benötigt werden, wird sich die Konzentration auf die wenigen „Shopping-Paläste“ verstarken. Im Rest der ehemaligen Innenstädte pfeift dann nur noch der Wind um die leeren Häuser, Ein-Euro-Shops und wahrscheinlich wieder Büroetagen.

Naja, jedes Volk bekommt halt die Einkaufmöglichkeiten, die es verdient.

 

Drei Kommentare:

Tja, auch in diesem Fall wäre die Devise gewesen: "Vom Osten lernen, heißt Siegen lernen." ;o) Dort gab es diese toten Innenstädte schon Jahre vorher. Aus genau den gleichen Gründen. Als Wolfsburg dran war, sagten wir trocken "aha". Wobei ich finde, dass die Volkswagen-Stadt noch Glück hatte oder ein gutes Händchen und es immerhin noch so etwas wie eine Fußgängerzone gibt. Mit Menschen darin. Fahr mal zB nach Schwerin, da pfeift der Wind durch die Gassen ...
Immerhin - wir werden erleben, wie es weitergeht.
Liebe Grüße, FF

Feuervogel, 2012-07-23 22:11

das trifft aber nur zu, wenn die ECE-Center in den Vorstädten entstehen. Ein Gegenbeispiel: in Oldenburg wurde ein großes Einkaufscentre mitten in der Innenstadt gebaut und hat damit diese belebt. Denn durch das mitgebaute parkhaus war es plötzlich kein unding mehr, die schöne Altstadt Oldenburgs auch zu erreichen und zu "erbummeln"... viele kleine Gassen - vorher fast ausgestorben - bevölkern sich wieder und es entstehen tolle Nischen-Geschäfte und kleine, gemütliche Cafés... Ich war überrascht, dass es auch so gehen kann.

Cathrin Eßbach, 2012-10-23 19:34

ach und zum Kommentar von Feuervogel...
ich komme aus Wismar und hatte während meiner Lehre in Schwerin gewohnt. noch zu tiefsten DDR-Zeiten. Glaube mir: der Wind, der da jetzt durch die Gassen pfeift, ist im Vergleich zu damals emsige Betriebsamkeit mit vielen kleinen Läden...

Cathrin Eßbach, 2012-10-23 19:37

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