Gute Speisekarte – im Web
Die Bullerei hat eine neue Karte. An und für sich erst einmal keine weltbewegende Nachricht. Schaut man allerdings genauer hin, weiß man, warum mein Speisekarten-Herz höher schlägt:
Sehr schöne, individuelle, Lust machende Beschreibungen. Herkunftsnachweise. Kleine und große Portionen. Zurückgenommene Preise. Überschaubarer Umfang. Und das Ganze auch noch optisch sauber im Web und als PDF. – Man kann soviel richtig machen bei der Erstellung von Speisekarten.
Speisekarte kürzen
Ach, ich kenne so einige Betriebe, da würde ich folgendes auch gerne mal lesen – aber ganz bestimmt nicht, weil die Wartezeiten zu lang wären …
Aufgrund der hochen Nachfrage mussten wir den Inhalt der Speisekarte um einiges reduzieren, Die Wartezeit für die Gäste wurde einfach zu lang.
[ via: Kiccho ]
Merke: Qualität vor Quantität. Ich plädiere weiterhin für kurze und kürzeste Karten.
Speisekarte mit unsichtbaren Preisen
Mehr als 25 Jahre Speisekarten aller Art … und man kann mich in diesem Thema immer noch überraschen. Diesmal mit einer Knalleridee aus Schweden in der Rubrik „Preise kann man auf einer Karte gar nicht weit genug zurücknehmen“:
Die "Brass Bar" ist der VIP-Club des Café Opera in Stockholm. Wie es sich für eine exklusive Bar gehört, werden natürlich ungern Preise auf den Speise- und Coctailkarten gedruckt. Wer beim Essen und Trinken trotzdem kein schlechtes Gewissen haben möchte, kann mit dem Finger den schwarzen Balken langrubbeln. So werden die Preise für kurze Zeit sichtbar und verschwinden dann wieder ins Schwarze.
[ via: grafiker.de ]
Erfinder dieser tollen Idee ist eine Grafikagentur aus Schweden. Was mich in meiner Meinung bestärkt, dass man beim Erstellen von Speisekarten, Getränkekarten, Menükarten oder welcher Karte auch immer, am besten auf Profis zurückgreift!
Genuss von Tabakwaren
Langsam, aber stetig füllt sich die Speisekartensammlung in Blog-Form. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Blog-Einträge mit Datum des jeweiligen Restaurantbesuches gemacht werden, d. h. teilweise sehr weit in der Vergangenheit liegen können. – Aus der Karte des Betriebs von Juan Amador in Langen stammt dieser Ausschnitt:
Während des Menüs bitten wir Sie, auf den Genuss von Tabakwaren zu verzichten. Herzlichen Dank.
Die Karte stammt aus der Zeit vor dem gesetzlichen Rauchverbot in Deutschland. Erinnert sich noch jemand an diese Zeit? Ich für meinen Teil freue mich übrigens mittlerweile manchmal heimlich, wenn ich etwas Tabakduft in die Nase bekomme. Nicht während eines Menüs, aber gerne im Anschluss. – Wer erinnert sich sonst noch an die Zeit vor dem Rauchverbot? Wie wäre es, wenn man sich mal wieder diesem Genuss hingeben dürfte – in entspannter Atmosphäre, nach einem köstlichen Mahl?
Nicht Gegessenes bezahlen – ein neuer Trend?
Das Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie vermeidbar ist, sollte allen klar sein. Das Hotel Schwarzer Adler in Moers-Schwafheim geht jetzt „etwas radikalere Wege“ beim Umgang mit Gästen, die beim All-you-can-eat-Gambas-Abend über die Stränge schlagen:
Bitte bestellen Sie nur so viel, wie Sie essen können.
Nicht angegessene, nachbestellte Gambas werden mit € 10,00 berechnet.
[ via: Hotel Schwarzer Adler ]
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Formulierung auf der Karte wasserdicht (im rechtlichen Sinne) ist. Und der ein oder andere Gast wird seine Reste ggf. unter dem Salat verstecken ;-) Trotzdem halte ich die Ankündigung, nicht Gegessenes zu berechnen, erst einmal für einen mutigen Schritt. Ob das gleich ein Trend wird, bleibt natürlich abzuwarten. Über Erfahrungsberichte dazu würde ich mich freuen ;-)
Speisekarten richtig schreiben: Impressum
Angeregt durch einen meiner Leser ein funktionaler Hinweis: Jede Karte sollte einige Angaben enthalten, anhand derer man Karte und Betrieb bzw. Ereignis auch im Nachgang noch identifizieren kann:
- Name des Betriebes oder Anlass des Ereignisses.
- Adresse, Kontaktdaten und Öffnungszeiten (bei Betrieben).
- Datum – des Anlasses oder der Erstellung.
Mit diesen Angaben wird die Karte zum Erinnerungsstück und zum Werbeträger. Leider fehlen sie jedoch viel zu häufig.
PS: Für die Besserwisser unter uns: Nach DIN5008 bzw. ISO8601 werden numerische Daten im Format „jjjj-mm-tt“ notiert. Die DIN trägt allerdings nicht umsonst den umgangssprachlichen Titel „Büroschreibregeln“. Bei anlassbezogenen Karten würde ich daher das ebenfalls zulässige alphanumerische Format empfehlen, z. B. „1. Februar 2012“.
Gastronomie-Seiten für mobile Geräte
Etwas provozierend textet man bei netzwertig.com: „Einzelhandel und Gastronomie haben den Smartphone-Boom verschlafen“. Naja, ganz unrecht haben sie damit nicht:
Torstenssons drei Kriterien für eine vernünftige mobile Website: Speise- und Getränkekarten, die auch mit dicken Fingern bedient und eingesehen werden können, ein Design, das für die Displaydimensionen von iPhone und typischen Android-Geräten geschaffen wurde, sowie ein Verzicht auf Details, welche die Ladezeit unnötig verlängern.
[ via: netzwertig.com ]
Ich halte es übrigens immer noch für die weitaus bessere Idee, dass gastronomische Betriebe in eine eigene(!) Website investieren – statt sich einer der diversen Plattformen unterordnen. Die eigene Philosophie, den eigenen Betrieb, den eigenen Mehrwert bitte auf einer eigenen Website darstellen. Sonst geht man in der Menge einfach unter.
Es ist übrigens erschreckend zu sehen, wieviele Besuche die Karten in meiner Galerie erhalten, weil die betreffenden Betriebe überhaupt keine eigene Website haben (geschweige denn eine, die für Mobilgeräte optimiert wäre). Sowas darf nun wirklich nicht passieren. Wenn jemand „Restaurantname Stadtname“ in den Suchschlitz tippt, sollte immer eine eigene Website zu finden sein. Viel muss dort auch gar nicht stehen – Anschrift, Öffnungszeiten und Kontaktdaten reichen ja schon. Das geht mit den einschlägigen Homepage-Baukästen heutzutage zu minimalen Kosten. Und selbst etwas ausführlichere Web-Seiten inkl. Aufbereitung für Mobilgeräte kosten nicht wirklich die Welt. (Beispiel gefällig?)
Barkarte des Jahres 2013
Die Kollegen von Mixology haben die Barkarte des Jahres gekürt – und ich muss natürlich auch noch meinen Senf dazugeben:
Die Barkarte des Schoellmanns vergisst nie, dass der Gast ein Restaurant aufgesucht hat und verweist auf die Speiseklassiker, die in einer Bar gleichsam eine feste Größe sein können: Clubsandwich, Pastrami, Austern. Ein Frühstücksortiment leitet dezent über zu Schaumweinen und Champagner Cocktails. Danach beweist die Karte eine profunde Kenntnis klassischer Cocktails, um auf ungewöhnliche Eigenkreationen aufmerksam zu machen, wie den New & Improved Blutwurst Fizz. Weniger versierten Bargängern signalisiert die Karte zwischen Retro- und künstlerischem Design, dass das Team bereit ist, den Gast auch mit einem Caipirinha abzuholen, um ihn oder sie dann bis zum Last Word zu begleiten.
Liebevolle Symbole zu den Kategorien und Unterteilungen der Karte ziehen sich hindurch. Lieblingsdetail ist eindeutig die Kategorie Scotch, bei dessen Symbol die Gerste aus dem Dudelsack wächst.
Es trinkt und liest sich gut in Schoellmanns Bar & Küche.
[ via: Mixology ]
In den Kommentaren geht die Diskussion rund um die Karte gleich weiter – teilweise überraschend emotional.
Wer sich die Karte (so wie ich) aus der Ferne anschaut (d. h. über das Web) findet jedenfalls eine handwerklich wirklich sehr solide Könnerkarte vor. Die Entscheidung der Jury könnte also sehr wohl richtig sein (leider kenne ich die anderen Teilnehmer des Feldes nicht).
Mir gefallen viele Aspekte dieser Karte: Die grafische Geschlossenheit, die ruhige Farbatmosphäre, die gewählten Schriftbilder (abwechslungsreich und trotzdem nicht unruhig wirkend), natürlich die Sektionsillustrationen, die vielen Beschreibungen der Cocktails und anderen Produkte, die Fotos (direkt aus dem Betrieb?!) und die Grafiken auf den Umschlagseiten. (Nur die Elvis-Illustration kann ich mir so gar nicht erklären.)
Anders als ein Teilnehmer an der oben erwähnten Kommentardiskussion möchte ich mich zu den betriebswirtschaftlichen Aspekten (vulgo: Preis- und Angebotsgestaltung) nur als Gast äußern (Für alles andere fehlen mir eindeutig die erforderlichen Kenntnisse): So hochwertig die Karte rüberkommt (und damit der von mir abgeleitete hohe Anspruch des Betriebes), so angemessen empfinde ich die Preise. (Andernorts wurde schon deutlich mehr für die entsprechenden Cocktails aufgerufen.) Wenn die Qualität dann noch stimmt, was bei einem von Mixology empfohlenen Betrieb als sicher anzusehen ist, dann sind sie definitiv angemessen.
Ebenfalls in der genannten Kommentardiskussion wird wieder mal auf das Thema Zusatzstoffkennzeichnung hingewiesen. Hier könnte ich mich allerdings nur wiederholen (siehe §9 Absatz 6 ZZulV). ABER: Der im gleichen Kommentar gemachte Hinweis auf eine Pflicht zum Ausweis von Mehrwertsteuer ist Mumpitz (und dabei wiederhole ich mich auch schon wieder). Denn nach §7 Absatz 5 PAngV muss es sich bei allen Preisen in Karten sowieso um Inklusivpreise handeln. Ein gesonderter Hinweis darauf ist also absolut überflüssig.
Kommen wir zurück zu den schönen Dingen an dieser Karte: Sie ist abwechslungsreich, informativ, lädt zum Stöbern und Verweilen ein. Sie repräsentiert sicherlich den Betrieb, die Betreiber und deren Philosophie. Insgesamt also wirklich alles richtig gemacht.
Wenn ich mir zu dieser Karte etwas wünschen soll/darf, dann vor allem eines: Ein Exemplar per Post in meinem Briefkasten ;-)
Creative Commons für die Speisekarte
Die Anregung für den vorherigen Artikel gab übrigens eine Infografik zum Thema Creative Commons-Lizenzen (gefunden bei karrierebibel.de).
Demnach gibt es mehr als genügend Fotos, Bilder und Grafiken für alle Speisekarten dieser Welt mit einer CC-Lizenz. Man muss sie halt nur finden. Doch leider habe ich bisher noch kein Verzeichnis von CC-lizensierter Food-Fotos auftreiben können. (Wer weiß ggf. etwas?)
PS: Am Rande sei erwähnt: Die gesamte Speisekarten-Seite unterliegt einer CC-Lizenz (aktuell CC BY-NC-SA 3.0 DE).
Gegenteil von Fastenkarte
Ich hatte ja schon einmal Fastenkarten hier vorgestellt. Das geht natürlich auch anders herum – als „Jecke Karte“ …
Eine Karte speziell für die Karnevalszeit. Solche Ideen gefallen mir ja immer wieder. Vielen Dank an das Bauerngut Schiefelbusch für die gelungene Überraschung.
PS: Kleine Anmerkung: Statt die Preise in den Vordergrund zu rücken, wäre hier genug Platz für eine ausführliche(re) Beschreibung der Gerichte gewesen (zu Geschichte und Zutaten, oder warum sie auf dieser Karte auftauchen). Vielleicht bei der nächsten Karte ;-)








